Interview mit Anke Kier

Teamentwicklung

Wir stellen vor: Anke Kier – unsere Expertin für Teamentwicklung

Seit 2011 ist Anke Kier fester Bestandteil von PS Consulting. Die erfolgreiche Arbeit mit Teams – das ist es was die im Ruhrpott aufgewachsene Mutter zweier Kinder nicht nur in Ihrer Tätigkeit als Trainerin, sondern auch als erfolgreiche Kunstturnerin umtreibt.

>> „Wer alleine arbeitet, addiert. Wer zusammenarbeitet, multipliziert.“ Unter dieses Motto hast du deine Arbeit gestellt.

Anke: Ja, das stimmt. In der Praxis erlebe ich immer wieder, dass Einzelkämpfer an ihre Grenzen kommen und dass das was eine einzelne Person leisten kann, ausgereizt ist. Schauen wir doch auf Patentanmeldungen oder auf Innovationspreise – hier räumen Teams ab!
Wo früher Individualisten in Konkurrenz zueinander gestellt und deren Einzelleistungen addiert wurden, gehen innovative Unternehmen schon eine Weile die Entwicklungen neuer Technologien oder Produkte in Teams an. Denn in Teams kommen verschiedene Denkweisen, Ideen und Kompetenzen zusammen. Aus diesen Unterschieden werden neue Ideen geboren, die wiederum zu weiterführenden Ergebnissen und Lösungsansätzen führen – eine Multiplikation der Ideen und eine höchst effiziente Nutzung der Ressourcen.

>> Was macht deine Arbeit aus? Wie gehst du in der Praxis vor?

Anke: Ziel meiner Arbeit ist, Teams zu unterstützen, um möglichst schnell und mit wenig Reibungsverlusten arbeitsfähig zu werden. Sie sollen sich soweit wie möglich bis in die hoch-effiziente Performingphase entwickeln. In der Praxis erlebe ich, dass manche Teams nicht in der Lage sind, diesen Level eigenständig zu erreichen, sondern dass deren Energie in unfruchtbaren Auseinandersetzungen verpufft. Durch gezielte Maßnahmen kann dieser Teufelskreis durchbrochen und eine effektive Teamarbeit erreicht werden.

Bei der Zusammenarbeit mit einem Projekt- oder Teamleiter, gilt es in der Auftragsklärung herauszufinden, was er genau unter dem Begriff Teamarbeit versteht und welche Ziele und Herausforderungen sich hinter der Anfrage verbergen. Anschließend analysiere ich gemeinsam mit dem Auftraggeber die aktuelle Ist-Situation: In welcher Phase befindet sich das Team? Was ist die Erwartungshaltung? Basierend darauf erarbeite ich einen praxisorientierten, individuell zugeschnittenen „Fahrplan“. Optimal ist für mich natürlich, ein neues Team von Beginn an zu begleiten und die Zusammenarbeit von Anfang an zu stärken. Als Start bietet sich in der Projekt-Arbeit zum einen die Bildung des CoreTeams in der Planungsphase oder spätestens das Kick-Off-Meeting an: Neben rein projektbezogenen Aspekten steht ein persönliches Kennenlernen, die Rollenklärung, die Definition von Spielregeln im Team und eine Klärung der Zusammenarbeit im Fokus meiner Arbeit.

>> Teamentwicklung und Teamtraining klingen ähnlich – gibt es Abgrenzungen?

Anke: In Teamtrainings, wie beispielsweise in unserem Seminar „Grundlagen effektiver Teamarbeit“ geht es primär um die Einzelperson im Team. Die Teilnehmer durchleben im Zeitraffer die unterschiedlichen Teamphasen und spüren wie ein Team zusammenwächst und immer effizienter zusammen arbeitet. Die Teilnehmer erfahren wo ihre individuellen Stärken und Schwächen liegen, wie sie von anderen gesehen und wahrgenommen werden und was sie persönlich zu einem gelingenden Team beitragen können. Zurück im Arbeitsalltag können die Teilnehmer diese Methoden und Denkanstöße ins eigene Team zurückspielen.
Bei Teamentwicklungen arbeite ich mit dem kompletten Projektteam. Beim Zusammenschluss von Personen in einem neuen Team kommen – zumindest unterschwellig – immer auch persönliche Belange zum Tragen: Wer könnte mir meinen Platz auf dem „Siegertreppchen“ streitig machen? Mit wem kann ich mich verbünden? Welche Rolle habe ich künftig im Team? Im Verlauf einer bestimmten Entwicklungszeit wächst dieser „Haufen“ unter bestimmten Voraussetzungen zu einem leistungsstarken Team heran.

>> Und bei Team Building-Veranstaltungen schickt man dann die Mitarbeiter in den Wald?

Anke: Mit dieser Vorstellungen habe ich in Vorklärungs-Gesprächen immer wieder zu tun. Teambuilding wird oft mit einer reinen Event- oder Incentive Maßnahme wie beispielsweise „Floßbauen“ oder „Hochseilgarten“ gleichgesetzt. In meiner Arbeit setzte ich gerne unterschiedliche Teambildungs-Elemente ein. Selbst Übungen, die im Raum durchgeführt werden, bereichern den Teamentwicklungsprozess: Beim Lösen von kniffligen Aufgaben, unabhängig von der eigentlichen Projektarbeit, werden Reibungspunkte sichtbar. Losgelöst von der Projektarbeit sind diese jedoch einfacher besprechbar.

>> Woran kann ich die Qualität einer solchen Maßnahme erkennen?

Anke: Absolut wichtig ist, dass ein Transfer der Methoden in den Projektalltag stattfindet und die Mitarbeiter auf diesem Weg nicht alleine gelassen werden. Diese komplexe Aufgabe erfordert eine hohe Kompetenz des Trainers. Meine langjährige Erfahrung im Projektmanagement in einem großen Unternehmen, sowie meine Ausbildung zur Erlebnispädagogin und zum Coach „Veränderungen emotional intelligent coachen“ bilden die ideale Voraussetzung für diese Aufgabenstellung.

>> „Sozial-Gedöns! Die Arbeit muss gemacht werden. Ob man sich dabei mag, ist zweitrangig“ oder „Zeit für solche Veranstaltungen haben wir nicht.“ Was raten Sie in diesem Fall? Bringt Teamtraining/entwicklung wirklich was?

Anke: Diese Einwände haben definitiv ihre Berechtigung. Selbstverständlich muss die Arbeit gemacht werden. Kommt es zu einmaligen Konflikten im Team, müssen diese nicht überbewertet werden und die Erledigung der Aufgaben hat Vorrang. Um jedoch eine dauerhafte Qualität der Team-Ergebnisse zu gewährleisten, sollte mittelfristig an diesen Störungen gearbeitet werden. Die eingesetzte Zeit für ein Teamtraining oder eine Teamentwicklung wird schnell durch eine effizientere und effektivere Arbeit im Team kompensiert.

Beispielhaft sei hier der „Querulant“ genannt: Ständig wird gemeckert, immer auf dem gleichen Punkt herumgeritten, während die anderen Teammitglieder genervt auf Durchzug schalten und unbeirrt weiterarbeiten. Ein Teamtrainer oder auch geschulter Projektleiter kann hier erkennen, dass der vermeintliche Querulant vielleicht vergeblich versucht einen wichtigen Aspekt ins Team einzubringen. Wenn er gehört werden würde, könnte das Team Fehler vermeiden und schneller vorankommen.

>> Das leuchtet ein, aber wie kann dies in der Praxis gestaltet werden?

Anke: „Jedes Verhalten hat seine Berechtigung“ sollte als Grundtenor das Fundament bilden und jedes Teammitglied soll seine individuellen Beweggründe ohne Angst vor Bloßstellung äußern können.

Erfolgreiche Teamleiter tragen dieser Tatsache Rechnung, indem sie den Aufbau und die Pflege entwicklungsfördernder Bedingungen zu ihrer vorrangigen Aufgabe machen und sich dabei mehr auf die Steuerung des Teamentwicklungsprozesses als auf die Arbeitsinhalte im engeren Sinne konzentrieren.

Auch hinsichtlich einer Burnout-Prävention, ist dies ein wichtiges Thema. Denn Rollenkonflikte, unklare Hierarchien und Ziele, mangelnde Anerkennung und hoher (psychischer) Druck am Arbeitsplatz gelten als Hauptfaktoren für eine solche Erkrankung.

>> Gibt es Anzeichen für Probleme im Team?

Anke: Bleiben Teamergebnisse wiederholt hinter den Erwartungen zurück, werden eigene Interessen der Teammitglieder in den Vordergrund gestellt, kommen Mitglieder zu spät oder „vergessen“ Meetings, geben Mitarbeiter Überlastung vor oder nehmen Konflikte und Streitereien negativ Einfluss auf die Arbeitsergebnisse – dann sind dies deutliche Anzeichen von Problemen im Team.

>> Welche Voraussetzungen braucht es für eine erfolgreiche Teamarbeit?

Anke: Aus meiner Sicht ist die Basis für eine erfolgreiche Teamarbeit ein klar definiertes Ziel, die Klarheit über die Rollenverteilung, der gegenseitige Respekt und das Akzeptieren individueller Stärken und Schwächen untereinander, sowie individuell vereinbarte Spielregeln.

>> Was ist das Ziel einer erfolgreichen Teamentwicklung?

Anke: Nach einer erfolgreichen Teamentwicklung verfügt das Team über klare gemeinsam getragene Ziele und eigene Spielregeln, so dass die einzelnen Mitglieder entsprechend ihrer Rolle motiviert ihre Energien für die Erreichung dieser Ziele einsetzen können. Teamentwicklung ist kein Prozess der über Nacht stattfindet. Es handelt sich dabei um eine Reise, die Willen und Ausdauer benötigt. Lohn für diese Entwicklungsarbeit ist das Erkennen ungenutzter Potentiale, was wiederum eine effektivere Nutzung der Arbeitszeit ermöglicht.

>> Was, wenn der Chef nicht mitziehen will?

Anke: „Mach mal mein Team fit, ich bin ganz ok!“ Aussagen mit dieser Intention kommen bei der Auftragsklärung immer wieder vor. Eine wichtige Voraussetzung ist die Einsicht des Projektleiters oder Chefs, selbst ein wichtiges (!) Mitglied des Teams zu sein.

>> Ist Teamtraining der richtige Weg zur Konfliktbeseitigung oder werden während des Trainings erst recht Gräben geschaffen?

Anke: Fest steht, Konflikte hemmen die Arbeitsleistung des einzelnen und ein Teil der Energie des Teams verpufft auf Nebenschauplätzen.
In Teamentwicklungen ist das Ziel Konflikte sichtbar zu machen und zu bearbeiten. Dabei werden häufig unterschwellige Konflikte aufgedeckt, was den Eindruck erweckt, es handle sich um neue Konflikte. Die Chance liegt jedoch darin, dass man nun pro-aktiv an der Wurzel der Probleme arbeiten kann. So können wir vermeiden, dass es zu verhärteten Fronten kommt, in denen betroffene Mitarbeiter resignieren und sich dies destruktiv auf das ganze Team auswirkt.

>> Apropos Team – Anke, wie bist du zu PS Consulting gekommen?

Anke: Genau wie Patrick habe ich meine beruflichen Wurzeln bei Hewlett-Packard.

Nachdem ich mich als Trainerin selbstständig gemacht habe, ist Patrick auf der Suche nach Unterstützung im Bereich Teamarbeit auf mich zugekommen. Da wir beide aus dem gleichen „Stall“ kommen, die gleiche Motivation sowie das gleiche Grundverständnis für die Arbeit mit Menschen haben, war dies eine fruchtbare Basis für unsere Zusammenarbeit.

>> Passionierte Teamtrainerin und A-Trainerin im Kunstturnen, einer Einzeldisziplin. Kommt dann doch die Einzelkämpferin durch?

Anke: Beim Turnen kommen beide Facetten zum Tragen. Bei den einzelnen Disziplinen bin ich weitestgehend auf mich selber angewiesen. Meine eigenen Stärken und Schwächen werden komplett sichtbar, denn der Erfolg hängt zum größten Teil an meiner eigenen Kraft, der Kontrolle und der Trainingsintensität.
Jedoch ohne die Unterstützung durch das Team, das mich pusht, und zu Höchstleistungen motiviert, aber auch in schwierigen Situationen auffängt, ist dies auf Dauer nicht durchzuhalten.
Zudem gibt es natürlich auch hier Mannschaftswettbewerbe und gemeinsame Erfolge. Dazu gilt es allerdings auch mal zurück zu treten, wenn ein anderer Turner aus der eigenen Mannschaft an einem Gerät besser ist als ich. Dieses Lernen und Erleben gebe ich inzwischen auch als A-Trainer und wichtiger Teil des Teams an meine motivierten Mädels-Teams im Alter zwischen 9 und 14 Jahren weiter.

Hier schließt sich der Kreis: Letztendlich zählt das Ergebnis, das mit dem kompletten Team erreicht wurde. Jeder in der Mannschaft hat in seiner jeweiligen Rolle dazu beigetragen.

>> Wir wünschen dir auch weiterhin viel Freude mit deinen unterschiedlichen Teams und bedanken uns ganz herzlich für deine Zeit.