Bachelorthesis zum Kommunikationsmanagement

Interview mit Dominique Schmid

Unsere Trainerin und Beraterin Dominique Schmid

Redaktion: Da fällt der Apfel nicht weit vom Stamm – wie der Vater so die Tochter? War das der Grund, warum Sie Ihre Thesis im Umfeld von Projektmanagement geschrieben haben?

Dominique: Könnte man natürlich meinen. Wer weiß, vielleicht ist es mir tatsächlich in die Wiege gelegt. Eines ist auf alle Fälle sicher, das Thema Projektmanagement begeistert mich! Ich war schon immer ein sehr wissbegieriger Mensch. Deshalb kommt es mir sehr entgegen, immer wieder an neuen, spannenden und auch herausfordernden Themen zu arbeiten. Zum Beispiel, als ich gleich nach dem Abitur bei SuperRTL im Event-Marketing gearbeitet habe, oder an der Uni, als Vorstand des studentischen Vereins, oder später bei einer Event-Agentur in München, überall war das Thema Projektmanagement auf der Tagesordnung. Und wenn es dann noch <<International>> wird, dann begeistert mich das umso mehr.

Redaktion: Dann war das wahrscheinlich auch der Grund, warum Sie sich für den Studiengang internationales Management eingeschrieben haben?

Dominique: Ganz genau. Da ich für mein Leben gerne reise und bei diesem Studiengang klar war, dass ein Auslandssemester und ein Auslandspraktikum mit dazu gehört, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich liebe fremde Länder. Die Begegnungen mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen sind für mich immer wieder faszinierend.

Redaktion: Dann klären wir die Leser doch an dieser Stelle mal auf, wo Sie sich im Moment befinden und wie Sie dort hingekommen sind.

Dominique: Gerne. Aktuell bin ich in Mexiko. Dort starte ich im Januar als Assistentin der Geschäftsführung in der neu errichteten mexikanischen Niederlassung eines deutschen Unternehmens. Die Planung sieht mal ein Jahr vor, es kann aber auch länger werden. Für mich geht damit ein Traum in Erfüllung. Ich kenne dieses Land von meinem Auslandssemester und meiner Praktikumsarbeit. Beide Male war ich schon für mehr als 6 Monate hier. Das Land, insbesondere das spanisch-koloniale Querétaro, wo ich mich befinde, und die Menschen haben es mir wirklich angetan. Mexiko ist sehr wandlungsfähig: Regenwald, Karibik, Meer oder Wüste. Und entgegen der landläufigen Meinung ist es hier alles andere als steinzeitlich. Wir haben Kinos, Einkaufszentren, Internet, Flatrate und mehr als 1.200 deutsche Unternehmen haben sich hier bereits niedergelassen. Klimatisch haben wir aktuell Winter. Das bedeutet kalte Nächte, wohingegen wir am Tag 25°C genießen dürfen.

Neben all dem Fortschritt sieht man in den ländlichen Gegenden aber auch Menschen mit Ihren Eselkarren und die Landwirtschaft wird manchmal noch immer mit Pferden betrieben. Auch das soziale System ist nicht so ausgeprägt, aber insgesamt muss ich sagen, fühle ich mich hier im Ort bei Nacht sogar sicherer als in Stuttgart. Man sagt, es sei die sicherste Stadt in Mexiko. Andere Städte sind natürlich schon so, wie man es aus den Nachrichten kennt.

Redaktion: Damit sind Sie mitten im Thema: Interkulturelle Kommunikation.

Dominique: Exakt! In einem deutschen Unternehmen, dessen Geschäftsführer Mexikaner ist, der 17 Jahre in Deutschland gelebt hat. Alle anderen Mitarbeiter sind Mexikaner. Hier kann ich die Theorie mit der Praxis verbinden und habe im privaten Umfeld auch schon die eine oder andere Erfahrung gemacht. Ein Beispiel: in Deutschland hat man einen Plan. So ist es, so wird es gemacht. Wenn Unvorhergesehenes passiert, ist man zunächst einmal versteinert. Mexikaner können sehr viel besser mit Unvorhergesehenem umgehen. Auf der anderen Seite steht dann aber die deutsche Wertarbeit und Planungsgenauigkeit, um Unsicherheiten möglichst zu verringern. Hier in Mexiko bauen junge Architekten manchmal Wohnsiedlungen, bei denen nach einem Jahr die Tapeten von den Wänden fallen.

Redaktion: Das hat jetzt aber nicht unbedingt etwas mit Kommunikation zu tun.

Dominique: Im weiteren Sinne schon und meine Thesis beschäftigt sich ja nicht nur mit der verbalen, direkten Kommunikation. Das Thema ist die „Gestaltung des Kommunikationsmanagements in internationalen Projekten unter Berücksichtigung kultureller Einflüsse“. Das bedeutet: wie fließen Informationen im Projekt und das geht weit über die reine Kommunikation hinaus. Da geht es um Mimik, Gestik, um das geschriebene Wort, Präsentationen, Statusberichte, Prognosen, eben alles was zu einem erfolgreichen Projektmanagement gehört. Ein Beispiel aus dem Bereich Mimik/Gestik: Wussten Sie, dass Inder den Kopf von rechts nach links bewegen um Zustimmung zu signalisieren? Bei uns bedeutet das „nein“.  Im Beispiel des Umgangs mit Unsicherheit und Unvorhergesehenem könnte ich einem Mexikaner einen kritischen Projektstatusbericht präsentieren, welchen dieser kaum aus der Ruhe bringt. Im Gegensatz dazu wird der deutsche Beteiligte schneller nervös und dementsprechend divergieren auch Kommunikation und Handlung. Allerdings muss man natürlich immer beachten, dass man hier mit Stereotypen zu tun hat, also einem Muster oder einer Verhaltensweise, die in einer Kultur durchschnittlich in einer gewissen Ausprägung angetroffen werden kann.  Sprich, die Personen, mit denen man im Einzelfall zu tun hat, müssen diesem Stereotypen und damit der Erwartung, die wir an sie stellen, nicht unbedingt entsprechen. So gibt es auch Deutsche, welche kritische Nachrichten nicht schwitzen lassen.

Redaktion: Sie haben in Ihrer Thesis auf Seite 9 auch ein sehr anschauliches Beispiel aus China.

Dominique: Ja das stimmt. Und dieses Beispiel ist in der Tat kein Einzelfall. Einem chinesischen Mitarbeiter ist es auf Grund der in seiner Kultur herrschenden hohen Machtdistanz unmöglich, einer hierarchisch höher stehenden Person schlechte Nachrichten zu überbringen, da er die „Wut“, bzw. Reaktion des Mächtigeren fürchtet und sich auch nicht anmaßen will, einem höher stehenden Kollegen Information zu erteilen. Auch kann er Fakten wegen der niedrigen Bestimmtheit seiner Kultur nicht direkt ansprechen und versucht stattdessen, dem Projektleiter indirekt anzudeuten, dass ein Problem vorliegt. Das Lächeln bedeutet dabei, dass dem Chinesen die Situation unangenehm ist. Zuletzt wird er wegen des in China stark ausgeprägten Kollektivismus niemals den Kollegen „verraten“, welcher für das Versäumnis verantwortlich ist.

Redaktion: Da hat man doch aber den Eindruck, solche Projekte können nie funktionieren!

Dominique: Spontan vielleicht, aber das Gegenteil ist der Fall. Meine Thesis untersucht u.a., welche Auswirkungen die Anwesenheit verschiedener Kulturen in internationalen Projekten auf das Management dieser Projekte hat. Insbesondere auf das Kommunikationsmanagement. Außerdem habe ich Handlungsempfehlungen zum Umgang und der adäquaten Beachtung der Kulturunterschiede mit eingebaut. Wenn wir die Unterschiede der Kulturen kennen und auch zulassen, dann sind das ganz spannende Begegnungen, die ein enormes Potential an Kreativität, Synergien und gegenseitigem Lerneffekt bergen können.

Redaktion: Das hört sich in der Tat interessant an. Würden Sie denn in unserem Blog für einen Gedankenaustausch zur Verfügung stehen?

Dominique: Klar gerne. Das Thema ist wirklich sehr spannend. Ich kann an dieser Stelle nur empfehlen solche Projekte vor allem auf interkultureller Ebene intensiv vorzubereiten. Investierte Zeit und Kosten werden sich während dem Projekt durch Vermeidung von Missverständnissen, Korrekturen, Verspätungen, etc. schnell amortisieren. Dabei geht es darum, die Projektmitarbeiter dort abzuholen, wo sie stehen. Die Unterschiedlichkeit zulassen, zu verdeutlichen und deren Vorteile zu betonen. Die eigene innere Einstellung überprüfen. Eventuell vorhandene Vorurteile ablegen. Sie werden mit Erfolg belohnt werden.

Redaktion: Vielen Dank, Dominique für Ihre Zeit und natürlich viel Erfolg für Ihre Arbeit.

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