MACH BLOSS KEIN SCRUM!

  • Patricks Projekt-Panne #4: Wir können nicht agil sein!

Neulich geriet ich in die hitzige Diskussion eines Projektteams. Die eine Hälfte des Teams betonte mit Hinblick auf drängende Termine: „Wir müssen agiler werden!“ Die andere Hälfte meinte: „Aber Scrum haben wir doch schon ausprobiert. Das funktioniert bei uns nicht! Also können wir auch nicht agil arbeiten.“ Oder doch?

Patricks Projektpanne 4: Mach bloss kein Scrum

Scrum steht für agil wie Tempo für Taschentücher

Ich fühlte mich an eine Diskussion erinnert, die ein Vater mit seinem Zwölfjährigen hatte: „Du solltest dringend einen Mannschaftssport anfangen. Später im Leben arbeitest du auch meist in Teams!“ – „Aber ich mag kein Fußball. Also kann ich auch keinen Teamsport machen!“ Klingt logisch, ist es aber nicht.

Dito: Scrum. Scrum steht für agiles Arbeiten wie Tempo für Taschentücher. Wobei die Ähnlichkeit zwischen Tempo und anderen Papiertaschentüchern deutlich größer ist als zwischen Scrum und anderen agilen Methoden: Scrum ist kein Synonym für Agilität! Wie konnte es zu diesem Missverständnis kommen? Klar: Weil Scrum so überaus populär ist. Doch populär ist nicht dasselbe wie richtig.

Hier funktioniert Scrum nicht

Trotzdem hatte die zweite Hälfte besagten Projektteams mit ihrem ersten Argument recht: Scrum funktioniert nicht – nicht überall und nicht bei allem. Scrum funktioniert nicht bei Arbeiten, die ein Einzelner am besten und schnellsten erledigt, wenn keine echte Teamarbeit erforderlich ist. Scrum funktioniert nicht, wenn viele Teammitglieder lediglich kurze Zeit im Projekt mitarbeiten. Scrum funktioniert nicht bei reinen Routinetätigkeiten oder wenn man ein Haus bauen will: Dafür gibt es einen klaren Plan und eine klare Struktur. Es gibt viele Beispiele, bei denen Scrum nicht wirklich passt oder funktioniert. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

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Die ganze Wahrheit: Wo Scrum passt

Scrum passt ideal bei kleinen bis mittelgroßen Teams, die kontinuierlich in relativ gleichbleibender Besetzung an einem Projekt arbeiten. Es passt für Teams, die über die komplette benötigte Expertise verfügen, die das Projekt für eine gute Lösung braucht. Und es passt auf Produkte, die man immer wieder mit etwas Neuem ergänzen und verbessern kann oder sollte. Dort überall passt Scrum ideal. Doch deshalb zu verkünden: Wir müssen agiler werden – also machen wir Scrum! Das ist definitiv Unfug. Ähnlich wie: Bei uns passt Scrum nicht, also können wir auch nicht agil werden! Das ist ebenso unsinnig wie die Aussage: Ich vertrage keine Erdnüsse – also kann ich auch keine feste Nahrung zu mir nehmen. Mit solchen Übergeneralisierungen schüttet man das Kind mit dem Bade aus.

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Scrum ist nicht dasselbe wie agil!

Es gibt viele Möglichkeiten, agiler zu werden. Scrum ist nur eine einzige davon. Fällt Scrum weg, bleiben noch Dutzende anderer übrig, die besser passen und agiler machen. Zum Beispiel, Turbo-Tool: konsequente Nutzenorientierung. Unnötiges einfach weglassen und zwar Unnötiges aus Sicht vom Endanwender und nicht aus Sicht vom Entwickler oder Projektteam. Zweites Turbo-Tool: Mut zu neuen Lösungen. Einfach mal fünf Ideen durchdiskutieren und eine glänzende Idee darunter finden, anstatt bei den ersten beiden sofort reflexhaft zu sagen: „Funktioniert nicht! Für dieses Problem gibt es einfach nichts Neues. Zurück zur eigentlichen Arbeit!“ Und, drittes Turbo-Tool:

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Bleib in deiner Time-Box!

In herkömmlichen Projekten hat das Team einen Endtermin, findet mittendrin jedoch ein paar geniale neue Lösungen und schiebt dafür den Endtermin nach hinten. Bis das Projekt dann endlich zu Potte kommt, ist der Markt über seinem Zenit, der Kunde ist sauer, Endanwender und Auftraggeber auch und auch die Konkurrenz war wieder mal schneller. Besser wäre deshalb, ganz agil: Bleib in deiner Time-Box! Und pack nur das ins Projekt, was bis zum fixen Endtermin reingeht. Lass nötigenfalls alles weg, was du updaten oder nachliefern oder gleich in ein neues Projekt stecken könntest.

Klar, diese überaus agile Vorgehensweise muss man dann gelegentlich mit Auftraggebern verhandeln, die immer noch mehr wollen – bei gleichbleibendem Endtermin! Doch wenn die Verhandlung gelingt, was in der Praxis häufig vorkommt, ist das dann agil. Ganz ohne Scrum. Und das waren eben lediglich drei Turbo-Tools. Deutlich mehr diskutieren wir zum Beispiel im Seminar „Agiles Projektmanagement“.

Der Denkfehler

Nur zu sagen „Wir müssen agiler werden, also machen wir Scrum!“ ist schlicht eine falsche Schlussfolgerung. Falsch ist auch, der Agilität eine Absage zu erteilen, bloß weil Scrum im konkreten Einzelfall nicht passt. Scrum ist nur eine agile Methode. Es gibt aber 20 agile Methoden und 100 agile Praktiken und keine davon soll bei euch passen, nur weil Scrum nicht passt? Das gibt es nicht. Eine passt immer. Mindestens. Das garantiere ich.

Ich wünsche dir viel Erfolg mit agiler Arbeit!

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Patrick´s Projekt-Pannen – Was ist das denn?

Wie der Titel verrät: Wenn ich in der Praxis unterwegs bin, berichten mir Projektleiter von so vielen alltäglichen Projekt-Pannen, dass ich dringend etwas dagegen unternehmen möchte. Unter anderem mit dieser Kampagne. Jeden Monat veröffentlichen wir in unserem Newsletter eine typische Projekt-Panne.
Wenn auch Sie eine wiederkehrende oder lästige Panne plagt: Mailen Sie´s mir und ernten eine schnelle Lösung in einer der nächsten Ausgaben (anonym, wenn Sie möchten)! Damit wir uns alle an beliebten Pannen erfreuen und mit schnellen, pragmatischen Lösungen das Leben und die Arbeit leichter machen. In diesem Sinne: Viel Erfolg in Ihrem Projekt!

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